Mein JahresrĂĽckblick 2025: Die Kraft der Reflexion (#10)

Meine Güte – was für ein Jahr.

2025 war kein lineares Jahr, sondern eines in Wellen. Und genau davon handeln meine Jahresrückblicke seit inzwischen zehn Jahren. Wer meine Jahresberichte regelmäßig liest, denkt sich vermutlich: Was ist dieses Jahr wieder so Aufregendes bei Franzi passiert? Die kurze Antwort: Wie immer sehr viel.

Gleichzeitig lese ich gerade überall von Überforderung. Davon, das Jahr gar nicht erst reflektieren zu wollen. Davon, froh zu sein, dass 2025 endlich vorbei ist. Und ja – bei mir war es nicht anders. Auch ich habe gezögert, gezweifelt, geschoben. Nicht aus Mangel an Erlebnissen, sondern weil sie schwer zu sortieren waren.

Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – schreibe ich diesen Rückblick.
Nicht, um ein rundes Jahr zu präsentieren. Sondern um zu zeigen: Es ist okay, wenn sich Dinge widersprechen. Wenn Klarheit Zeit braucht. Wenn ein Jahr mehr Fragen hinterlässt als Antworten.

Dieser Rückblick ist kein Fazit. Er ist ein Innehalten. Und vielleicht eine Einladung, den eigenen Blick auf 2025 etwas freundlicher werden zu lassen. Nicht, weil alles gut war – sondern weil genau darin Wachstum steckt.

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Zehn Jahre JahresrĂĽckblicke

Bevor ich in dieses Jahr eintauche, möchte ich kurz innehalten – und mir selbst gratulieren. Vor genau zehn Jahren ist mein erster Jahresrückblick erschienen.
Der Titel damals: „Mein Jahresrückblick 2016: Reise, Job & Selbstfindung – Ein Jahr des Wandels (#1)”

2016 war ein Jahr, in dem alles offen schien. Ich war zwei Monate in Asien unterwegs – unterwegs im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Vieles war neu, aufregend und voller Möglichkeiten. Nach meiner Gründerzeit begann ich meine erste Festanstellung bei Testberichte. Davor hatte ich meist frei gearbeitet oder in Gründerteams, in denen wir alles selbst entschieden haben. Struktur war neu. Sicherheit auch.

Schon damals begleitete mich ein Satz, der mich bis heute prägt: „franzidesign. Einfach anders Design“.
Seit 2008 trage ich diesen Claim – ohne zu ahnen, wie sehr er mein späteres Leben beschreiben würde.

Im Herbst 2016 ließ ich mir einen Phönix tätowieren. Rückblickend ein starkes Symbol für Wandel, Krisen und immer wieder Neuanfänge. Für das Loslassen. Und für die Fähigkeit, sich neu zu formieren.

Dass ich „anders“ bin, wusste ich eigentlich schon immer. Meine Eltern sagten das oft zu mir. Ich hatte andere Interessen als viele meiner Freund:innen oder Mitschüler:innen, mochte Außenseiter:innen – und liebte es, mich mit tausend Dingen gleichzeitig zu beschäftigen: Musikschule, Musical, Basketball, Töpfern, Malen, Basteln. Später kam Techno dazu. Als Ventil. Als Raum.

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Mein Thema 2025: ADHS, Neurodiversität und neue Perspektiven

Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Thema öffentlich teilen möchte. Aber ich spüre: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Und man kommt aktuell sowieso kaum daran vorbei. ADHS!

Seit April dieses Jahres habe ich eine ADHS-Diagnose – und damit auch einen neuen Zugang zum Thema Neurodiversität. Was das konkret für mich bedeutet, wird mein Thema 2026. Dann werde ich tiefer einsteigen.
Was ich heute schon sagen kann: Vieles ergibt plötzlich Sinn – obwohl ich noch ganz am Anfang dieser Entdeckungsreise stehe. Mein Gehirn tickt anders. Auch beruflich hat diese neue Perspektive begonnen, Dinge neu zu sortieren. Wenn ich manchmal sonderbar rüberkomme, dann ist das eben so. Das darf ich annehmen – und genau das lerne ich gerade. Einfach anders Design!

Was mir meine Jahresberichte über die Jahre immer wieder gezeigt haben: Das Leben verläuft nicht geradlinig. Es kommt in Wellen. In dem Moment, in dem etwas passiert, fühlt es sich oft unfair, überfordert oder einfach nur falsch an. Erst rückblickend dreht sich die Perspektive. Man lernt. Man wächst. Man erkennt Zusammenhänge. Ich bin auf jede noch so komische oder unangenehme Erfahrung froh. Gerade von ihnen lernt man am meisten. Meine Jahresberichte schreibe ich genau deshalb: um Mut zu machen, dranzubleiben – auch dann, wenn sich gerade alles chaotisch oder sinnlos anfühlt.


Arbeit & UmbrĂĽche

Das Jahr begann ruhig. Ich ahnte nicht, was mich alles erwarten wĂĽrde.
Im April verließ ich mein altes Projekt bei DATEV und wechselte den Bereich – von Accounting Next zu Steuern. Eine emotionale Achterbahnfahrt: Im März war ich noch mit meinen Eltern auf den Seychellen. Der große Traum meines Vaters ging endlich in Erfüllung – und drohte fast zum Albtraum zu werden, als meine Mutter stürzte und an der Stirn genäht werden musste. Wir verbrachten den Urlaub zwischen Krankenhäusern und Kontrollterminen. Zum Glück ging alles gut aus, aber der Schock saß tief.
Zurück in Deutschland erfuhr ich vom Projektwechsel. Kurz darauf folgte die ADHS-Diagnose. Ich war erschöpft, kurz vor dem Zusammenbruch – und trotzdem war da diese innere Kraft. Ich entschied mich bewusst, mich auf den Wechsel einzulassen. Nicht aufzugeben. Auch wenn es gute Gründe dafür gegeben hätte.
Ich habe unglaublich viel gelernt und bin heute sehr dankbar für die vielen großartigen Menschen in meinem Netzwerk. Ich konnte mich schnell einarbeiten, wurde in das neue Team herzlich aufgenommen und habe rasch meinen Platz gefunden. Ein besonderer Dank geht an Tobi und Toma für die Einarbeitung sowie an Iris für die vielen wertvollen Austausch Termine und unseren gemeinsamen, sehr persönlichen Vortrag in der UX-Community im Sommer zum Thema Neurodiversität. Die anschließende Fishbowl hat eindrucksvoll gezeigt, wie relevant und notwendig das Thema ist.


Ehrenamt & Engagement

German UPA
Ich übernahm im Frühjahr die Co-Leitung des Arbeitskreises UX-Strategie bei der German UPA – mit dem Ziel, mehr Wirkung aus dem Arbeitskreis herauszuholen. Ich analysierte bestehende Strukturen, identifizierte Verbesserungspotenziale und ging mit gutem Beispiel voran.
Gemeinsam entwickelten wir einen UX-Strategie-Coach auf Basis von ChatGPT, den wir auf der Mensch und Computer in einem Workshop testeten. Daraus entstand ein Paper – und inzwischen arbeiten wir an einem Buchprojekt, zu dem ich ebenfalls beitragen durfte.
Meinen German UPA Jahresbericht findest du hier: Zum Bericht

Lebensmittel retten
Auch 2025 war ich wieder ehrenamtlich aktiv und habe Lebensmittel über Foodsharing gerettet – für mich und für andere. Danke an die Kälte- und Hitzehilfe für eure wichtige Arbeit. Und danke an all die vielen anderen ehrenamtlichen Menschen, die sich Tag für Tag einsetzen – oft leise, oft unsichtbar, aber mit enormer Wirkung.

Mentorin auf ADPList
Auch dieses Jahr war ich als Mentorin auf ADPList aktiv und begleitete Designer:innen in Bewerbungs- und Portfolio-Prozessen. Ich wurde unter die Top 50 UX Research Mentors (Jul–Sep 2025) gewählt – eine Anerkennung, die mich sehr berührt hat. Eine Aufgabe, die mir nach wie vor unglaublich viel Freude macht.

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Psycare-Einsätze auf Festivals
Weiterhin bin ich bei Eclipse e.V. aktiv – als Betreuerin für Menschen in psychischen Krisensituationen oder im Orga-Team der Fusion. Einsätze hatte ich dieses Jahr auf der Fusion und dem Garbicz Festival. Eine wertvolle Arbeit, die immer wieder neue Perspektiven eröffnet.

Privates & Reisen

Die Reise auf die Seychellen im März mit meinen Eltern und meiner Freundin war ein Herzenswunsch meines Vaters – und wurde durch den Unfall meiner Mutter zu einer emotionalen Grenzerfahrung. Ein Schock, der zum Glück gut ausging. Umso dankbarer bin ich, dass wir diese Reise gemeinsam erleben durften. Denn man weiß nie, was kommt – oder ob solche Reisen in einem so hohen Alter überhaupt noch möglich sind.

Im September ging es dann für 19 Tage nach China. Ich hätte noch viel länger bleiben können, aber Urlaubstage sind begrenzt. Eines ist sicher: Ich komme wieder. China hat mich tief beeindruckt – die Menschen, die Landschaften, die Gegensätze, die Geschwindigkeit und die Ruhe dazwischen. Ein Aspekt dieser Reise hat besonders viele Leser:innen bewegt: Mein Beitrag „UX in China“, der hier auf franzidesign zu den meistgelesenen Artikeln des Jahres gehörte. Die Perspektive auf digitale Produkte, Alltags-UX und technologische Selbstverständlichkeit in China hat offenbar einen Nerv getroffen – vielleicht auch, weil sie viele vertraute Annahmen infrage stellt. 👉 https://www.franzidesign.de/post/ux-in-china

‍Die vielen weiteren Geschichten, Begegnungen und Eindrücke dieser Reise – jenseits von UX, aber nicht losgelöst davon – habe ich auf meinem Reiseblog festgehalten: www.rucksackblog.de

Und dann kam noch Weihnachten. Mein Jahresbericht war eigentlich schon fertig, doch es kam – mal wieder – alles anders. Am 24.12. stürzte mein Vater die Treppe hinauf, mit der Folge: Krankenhaus. Eine Gehirnerschütterung und mehrere Klammern auf dem Kopf. Glück im Unglück – alles verlief gut.

Solche Vorfälle machen einem jedoch schmerzhaft bewusst, wie schnell sich alles ändern kann und wie fragil Leben ist. Ich bin unendlich dankbar, dass nichts Schlimmeres passiert ist.

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KI, FĂĽhrung und neue Klarheit

‍Rückblickend gab es zwei Themen, die sich 2025 wie ein roter Faden durch vieles gezogen haben – auch dort, wo sie nicht immer offensichtlich waren: KI und Führung.
KI war für mich in diesem Jahr weniger ein Trend als ein Spiegel. Sie hat mir gezeigt, wie wichtig Klarheit, Haltung und gute Fragen Stellen sind – und dass echte Orientierung nicht aus Tools entsteht, sondern aus Erfahrung, Kontext und Austausch.

Führung habe ich 2025 neu verstanden: weniger als Rolle oder Titel, sondern als Verantwortung, Orientierung zu geben, Dialog zu ermöglichen und Räume zu schaffen, in denen andere wirksam werden können – auch ohne formale Macht.

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Meine Highlights

Beruflich: Neue Domäne Steuern eingearbeitet
Privat: Die Diagnostik

Meine größte Challenge

Beruflich: Der Projektwechsel
Privat: Seychellen Urlaub und Weihnachten

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Abschluss: Ankommen im Dazwischen

2025 war kein leises Jahr. Es war ein Jahr voller Brüche, Übergänge und Entscheidungen. Ein Jahr, in dem nicht alles Sinn gemacht hat – zumindest nicht sofort.
Ich gehe aus diesem Jahr nicht mit fertigen Antworten. Aber mit einem besseren Verständnis für mich selbst. Mit Vertrauen in Prozesse. Und mit der Gewissheit, dass selbst schwierige Phasen etwas in Bewegung setzen.
Das Leben kommt in Wellen. Und ich habe gelernt, ihnen nicht mehr auszuweichen.
2026 darf kommen, wie es will. Leiser. Klarer. Oder wieder chaotisch. Ich bin bereit.

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Für alle die immer noch nicht genug haben 👉 2025 reflektiert: Fragen und Antworten

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