Wenn das KI-Kontingent leer ist: Was ich über meine Abhängigkeit gelernt habe

Heute möchte ich mal wieder meine Erfahrungen teilen, die mich am Wochenende beschäftigt haben. Ihr wisst ja: Ich teste gerne neue Dinge, und bei KI sowieso, schon seit 2022. Doch inzwischen bin ich genervt und vor allem nachdenklich geworden.
Aus „fast unendlich“ wurde „nach zwei Stunden Schluss“
Am Anfang fühlte sich die Nutzung von KI-Tools nahezu grenzenlos an. Heute ist mit meinem ChatGPT-Pro-Account oft schon nach wenigen Stunden Schluss. Am Wochenende war mein Kontingent nach nur zwei Stunden aufgebraucht. Die Meldung: Nutzung aufgebraucht, Abo upgraden oder Credits kaufen, oder warten, bis das Kontingent um 15:42 Uhr zurückgesetzt wird. Es war gerade mal 12 Uhr.

Nachkaufen hätte 103 € gekostet. Das wäre in Ordnung, wenn ich mit dem Projekt Geld verdienen würde. Meine WirkTakt-App ist aber ein reines Lernprojekt. Es kostet mich Zeit und die Apple-Developer-Lizenz für 100 € im Jahr. Also habe ich gewartet.

Als mein Limit bei ChatGPT aufgebraucht war, bin ich zu Claude gewechselt. Schon nach zwei Text-Iterationen in Claude kam der Upgrade-Hinweis. Ausgesperrt war ich nicht, aber der Hinweis kam früh, und er hat mir gezeigt, wie sehr ich inzwischen mit diesen Tools plane.

Das eigentliche Thema: Abhängigkeit
Das Warten hat mir etwas klargemacht: Ich könnte die WirkTakt-App ohne KI allein nicht weiter ausbauen. Dieser Gedanke ist unbequem, und er beschäftigt mich schon länger.
Es betrifft nicht nur meine Freizeitprojekte. Auch im Studium experimentiere ich mit NotebookLM und bin dort schnell an meine Token-Grenze gestoßen. Positiv finde ich, dass Google den Verbrauch transparent anzeigt. Trotzdem erscheint beim Arbeiten oft die Meldung „Die Präsentation konnte nicht erstellt werden. Versuchen Sie es noch einmal.“ Das ist ärgerlich, besonders im Arbeitsfluss.

KI nimmt Arbeit ab, arbeitet aber nicht immer genau
Was mich am meisten stutzig macht: Die Ergebnisse sind oft nicht sauber. Allein meine erste Lerneinheit im Studium musste ich mehrmals nachkontrollieren. Wer sich blind darauf verlässt, übernimmt Fehler, ohne es zu merken.
Dazu kommt ein zweiter Effekt: Es bleibt erschreckend wenig bei mir hängen. Wer die Arbeit abgibt, gibt auch einen Teil des Lernens ab, und das merke ich im Studium deutlich.
Auch Automatisierungen sind kein Selbstläufer. Ich habe mir für die Arbeit einen monatlichen Reflexions-Agenten in Teams gebaut, und er funktioniert nach ein paar Monaten nicht mehr richtig. Was heute läuft, muss morgen nicht mehr laufen.
Verantwortung lässt sich nicht delegieren
Deshalb möchte ich sensibilisieren: Nicht alles, was in den Medien oder von sogenannten KI-Influencern prophezeit wird, sollte man ungeprüft glauben. Für Bilder, erste Grafikentwürfe oder ein Lernprojekt wie WirkTakt ist KI großartig. Dort steht wenig auf dem Spiel, und ich habe die App bewusst ohne Account und Tracking gebaut. Geht es aber um Verantwortung, also um Datenschutz und sensible Daten, wäre ich vorsichtig, die Kontrolle aus der Hand zu geben. Sich dort ungeprüft auf KI zu verlassen, halte ich für fahrlässig.
Und das gilt nicht nur für KI. Gerade im Studium merke ich, wie wichtig es ist, auch Quellen und Studien kritisch zu prüfen. Stichwort Replikationskrise: Als 2015 hundert psychologische Studien erneut durchgeführt wurden, erreichten nur etwa 36 % der Wiederholungen wieder ein statistisch signifikantes Ergebnis, bei den Originalen waren es 97 %. Kritisches Denken bleibt unsere Aufgabe, egal ob die Antwort von einer KI oder aus einer Studie kommt.
Was ich ändere
Aus diesen Erfahrungen nehme ich mir drei Dinge vor:
- Nicht mit KI starten. Gerade im Studium und bei Themen, die ich wirklich verstehen will, mache ich die Denkarbeit zuerst selbst und nutze KI zum Nachschärfen statt zum Ersetzen.
- Ergebnisse immer gegenprüfen. Was die KI liefert, ist ein Entwurf, kein fertiges Ergebnis.
- Keine sensiblen Daten eingeben. Was nicht in ein Tool gehört, bleibt draußen, egal wie bequem es wäre.
Fragen, die ich mitnehme
- Wie abhängig haben wir uns schon gemacht, und wie schnell ging das?
- Was passiert, wenn Preise steigen, Limits sinken oder Tools sich verändern?
- Wann platzt die viel diskutierte KI-Blase, falls überhaupt?
Antworten habe ich keine, aber ich halte die Fragen für wichtig.
Mein Fazit
Ich bleibe neugierig und teste weiter. Aber ich möchte bewusster entscheiden, was ich abgebe und was ich selbst können will. Macht eure eigenen Erfahrungen, bleibt neugierig und prüft nach.
Wie sind eure Erfahrungen? Wo setzt ihr KI ein und wo bewusst nicht?
Ich freue mich auf eure Gedanken.
Quellen und weiterführende Links
Replikationskrise
- Open Science Collaboration (2015): Estimating the reproducibility of psychological science, Science 349. https://doi.org/10.1126/science.aac4716
Datenschutz bei Claude
- Anthropic-Dokumentation zu Datennutzung und Aufbewahrung: https://docs.anthropic.com/en/docs/claude-code/data-usage
Datenschutz bei ChatGPT
- Primärquelle: die OpenAI-Hilfeseite zu den Datenkontrollen: https://help.openai.com/de-de/articles/7730893-data-controls-in-chatgpt
Weiterführende Links auf deiner eigenen Seite
- WirkTakt-Case-Study: https://www.franzidesign.de/case-studies/wirktakt
- Was bleibt vom Produktteam, wenn KI den Code schreibt?
https://www.franzidesign.de/post/mensch-ki-zusammenarbeit-wirktakt - Was bleibt von einem KI-Tool, wenn das Vertrauen kippt?
https://www.franzidesign.de/post/wenn-das-vertrauen-in-ein-ki-tool-kippt - KI kann Software nachbauen. Reicht das für ein gutes Produkt?
https://www.franzidesign.de/post/ki-software-nachbauen

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