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TU Gründerwerkstatt
Meine Rolle
CEO & Head of Design
Datum
01/2012 bis 03/2015
Branche
Feedbacktool
Kunde
votingLAB

Startup · Product Design · Entrepreneurship

Vom EXIST-Stipendium zur eigenen Feedback-App

Hintergrund
Mit votingLAB gründete und entwickelte ich eine digitale Plattform für Entscheidungsfindung und Feedback. Als CEO und Head of Design verantwortete ich die Produktstrategie, Konzeption, User Experience, das Interface Design sowie die Vernetzung mit Kunden, Partner und der Start-up-Community.

Von der ersten Geschäftsidee über zwei Gründungsstipendien und erste B2B-Projekte bis zur Entwicklung einer nativen App war votingLAB für mich eine intensive Lernreise durch Produktentwicklung, Unternehmertum und Teamarbeit.

Das Projekt auf einen Blick
votingLAB (ehemals wecide:) begann als Plattform, die Menschen durch Pro- und Kontra-Argumente bei Entscheidungen unterstützen sollte. Nach ersten Projekten mit Unternehmenskunden zeigte sich jedoch, dass der Markt stärker nach individuell einsetzbaren Feedback- und Umfragelösungen suchte.

Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelten wir das Produkt weiter: Aus der webbasierten Entscheidungsplattform entstand eine mobile Feedback-App für iOS und Android. Nutzer konnten Orte und Erlebnisse schnell bewerten, ohne dafür lange Texte verfassen zu müssen.

Meine Verantwortung reichte von der Produktidee und Positionierung über UX und UI Design bis zu Kundengewinnung, Pitches, Öffentlichkeitsarbeit und der Zusammenarbeit mit der Entwicklung.


zwei Stipendien
10/2012 bis 09/2013 Stipendium der TU Berlin
11/2014 bis 03/2015 Stipendium der Beuth Hochschule

Wecide Türschild
Menschen mit Zertifikat
Businessplan Wettbewerb 2012, Platz 3 für die beste Idee

Die eigentliche Challenge: das Team

Im Oktober 2012 erhielten wir das EXIST-Gründerstipendium und zogen in die Gründerwerkstatt der TU Berlin ein. Doch bereits vor dem offiziellen Start zeigte sich, dass unsere größte Herausforderung nicht die Produktidee, sondern die Zusammenarbeit im Gründungsteam war.

Nachdem ein Mitgründer das Team verlassen hatte, arbeiteten wir zunächst zu dritt weiter. Unterschiedliche Vorstellungen zu Rollen, Verantwortlichkeiten und Gesellschaftsanteilen führten jedoch zunehmend zu Konflikten. Als parallel eine GmbH gegründet wurde, folgten Gespräche mit der TU Berlin und dem Projektträger.

Am Ende entschieden wir uns für eine Trennung des Teams. Aus dem ursprünglichen Projekt wecide entstanden zwei eigenständige Wege – und für uns begann mit votingLAB ein kompletter Neuanfang.

Diese Erfahrung hat mir früh gezeigt, wie entscheidend klare Rollen, transparente Kommunikation und verbindliche Vereinbarungen für die Zusammenarbeit in Gründungsteams sind. Eine starke Idee allein reicht nicht aus: Das Team und der gemeinsame Umgang mit Entscheidungen bilden die Grundlage für jedes erfolgreiche Produkt.

Ursprüngliche Teamstruktur wecide


Teamstruktur

„Unsere eigentliche Challenge war das Team.“

Notizen

Die Idee: Auf der „wecide“ Plattform konnte man sich durch pro und kontra Argumente anderer Nutzer bei der Entscheidungsfindung helfen lassen. Im Unternehmen, im Team, im Verein, und egal welche Entscheidung.

wicide UI
wecide

Vom Meinungstools zur Feedback App

Büro TU Berlin in Weddingvotinglab Schild
Fotos: Unser neues Büro an der Gründungsinsel an der TU Berlin im Wedding

Ein Neuanfang: eine neue Plattform

Nach der Trennung des ursprünglichen Gründungsteams mussten wir mit votingLAB praktisch noch einmal bei null anfangen. Die bestehende technische und visuelle Grundlage konnten wir nicht weiterverwenden – Produkt, Marke und Plattform mussten neu gedacht und aufgebaut werden.

Innerhalb weniger Monate entwickelten wir eine neue Version der Plattform und ließen die Marke votingLAB eintragen. Martin verantwortete die technische Umsetzung mit Ruby on Rails. Ich übernahm die Produktkonzeption, das UX- und UI-Design sowie die Positionierung und Vernetzung des Start-ups.

Dabei entwickelte ich die Informationsarchitektur, gestaltete die zentralen Nutzerabläufe und übersetzte die ursprüngliche Idee in ein eigenständiges Produkterlebnis.

Der Neustart war herausfordernd, gab uns aber auch die Möglichkeit, votingLAB klarer zu positionieren und das Produkt konsequent weiterzuentwickeln.

votingLab Designs
Live Version der neuen Plattform
TU Berlin (2013)

Der erste Kunde: TUI

Durch meine Netzwerkaktivitäten konnte ich TUI.com in Berlin als ersten Kunden für votingLAB gewinnen.

In den gemeinsamen Gesprächen konkretisierten wir den Bedarf und entwickelten eine interne Mitarbeitendenbefragung auf unserer Plattform. Neben der Konzeption und Gestaltung der Umfrage begleiteten wir auch die Auswertung der Ergebnisse.

Für uns war das Projekt ein wichtiger Meilenstein: votingLAB wurde erstmals im realen Unternehmenskontext eingesetzt und wir konnten wertvolle Erkenntnisse darüber gewinnen, welche Anforderungen Organisationen an digitale Feedback- und Befragungslösungen stellen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit wurde anschließend als Success Story dokumentiert.

Voting Lab UI
Büro SchildLaptopNotizenTischBadgesBadgesZettekBreakfastclub

votingLAB in den Medien

deutsche Startups LogoStartups im Internet LogoBerliner Morgenpost Logomedia.net LogoGründerszene LogoDeutschlandfunkt Kultur LogoMärkische Allgemeine Logo

votingLAB auf der IFA

Im September 2013 präsentierten wir votingLAB auf dem Forschungsmarkt Berlin-Brandenburg im Rahmen der IFA erstmals einem größeren Publikum.

Für uns war die Veranstaltung ein besonderer Meilenstein: Wir konnten unsere Plattform öffentlich vorstellen, votingLAB sichtbarer machen und mit Interessierten über unsere Idee ins Gespräch kommen.

Gleichzeitig näherte sich unser EXIST-Gründerstipendium seinem Ende. Während wir diesen Erfolg feierten, war noch offen, wie es mit votingLAB danach weitergehen würde.

Ein neues Stipendium – und ein verändertes Team

Nach dem Ende des EXIST-Gründerstipendiums im September 2013 war die Zukunft von votingLAB zunächst offen. Während Martin eine Festanstellung in einer Digitalagentur annahm, finanzierte ich mich über freiberufliche Aufträge mit franzidesign und arbeitete parallel weiter an der Zukunft unseres Start-ups.

Ich entwickelte einen neuen Businessplan und bewarb mich um eine weitere Förderung. Nach der Einreichung präsentierte ich votingLAB vor der Jury der Gründerwerkstatt und konnte sie davon überzeugen, das Projekt erneut zu unterstützen.

Da Martin aufgrund seiner Festanstellung keinen Platz im Stipendium übernehmen konnte, suchten wir nach einer Verstärkung für das Gründungsteam. Mit Christopher Walzel kam schließlich ein neuer Mitgründer hinzu, mit dem wir die Plattform weiterentwickelten.

Nach dem Projekt mit TUI folgte eine weitere größere Befragung für den Mörchenpark auf dem Berliner Holzmarktgelände. Mehr als 500 Mitglieder konnten über unsere Plattform ihre Perspektiven und Wünsche einbringen.

Die zweite Förderung gab votingLAB neue Stabilität – gleichzeitig begann für uns eine weitere Phase der Neuorientierung und Produktentwicklung.

Prozess
Posts

Der Wechsel zur Feedback-App

Nach den Projekten mit TUI und dem Mörchenpark wurde deutlich, dass Unternehmen sehr individuelle Anforderungen an Befragungen hatten. Unser ursprünglicher Ansatz einer argumentenbasierten Entscheidungsplattform traf den Bedarf daher nur teilweise.

Obwohl wir viel positives Feedback zur User Experience erhielten, bewegten wir uns in einem Markt mit zahlreichen etablierten Umfragetools. Wir entschieden uns deshalb, unsere bisherigen Erkenntnisse neu zu nutzen und votingLAB als B2C-Produkt weiterzuentwickeln.

Aus der Entscheidungsplattform entstand die Idee einer mobilen Feedback-App: Nutzer sollten Erlebnisse und Orte schnell und intuitiv bewerten können – ohne lange Texte schreiben zu müssen.

Christopher übernahm die technische Entwicklung der App. Ich verantwortete die Produktkonzeption, das UX- und UI-Design sowie Positionierung, Kommunikation und Netzwerkaufbau.

Als Speakerin auf der Tools-Konferenz

Im Juni 2015 durfte ich unsere Zusammenarbeit mit dem Mörchenpark auf der Tools-Konferenz einem größeren Publikum vorstellen.

Direkt vor unserem Vortrag erzählte Robert Dahl, der Gründer von Karls Erdbeerhof, seine Unternehmensgeschichte – zu einer Zeit, als Karls noch deutlich weniger bekannt war als heute. Diesen Einblick in seine unternehmerische Entwicklung fand ich besonders inspirierend.

Anschließend berichtete ich auf der Bühne über den Einsatz von votingLAB, die Beteiligung von mehr als 500 Mitgliedern und unsere Erfahrungen mit digitalen Feedback- und Befragungsformaten.

Der Vortrag war für mich eine besondere Gelegenheit, unsere Erkenntnisse aus der Praxis zu teilen und votingLAB als Produkt und Start-up sichtbarer zu machen.

Unsere neue Konkurrenz

yelp Logo
Oktober 2004
Foursquare Logo
März 2009
Swarm Logo
May 2014
Local Guides Logo
August 2014
Startup Time

Closed Beta der Feedback-App

Von Mai bis November 2014 entwickelten wir eine native Feedback-App für iOS und Android. Innerhalb von sieben Monaten entstand aus unserer ersten Idee ein testbares Produkt.

Mit der App konnten Nutzer Orte und Erlebnisse schnell bewerten und miteinander vergleichen. Statt langer Texte nutzten sie vordefinierte Eigenschaften und Gegensatzpaare wie „laut oder leise“ und „warm oder kalt“. So sollte Feedback innerhalb weniger Sekunden möglich sein und gleichzeitig eine Entscheidungshilfe für andere bieten.

Von November 2014 bis Januar 2015 testeten wir die App in einer geschlossenen Beta mit einem ausgewählten Nutzerkreis. Wir sammelten Feedback zum Konzept, zur Bedienung und zu den einzelnen Funktionen und nutzten die Erkenntnisse, um das Produkt iterativ weiterzuentwickeln.

Die Closed Beta war für uns ein wichtiger Meilenstein: Zum ersten Mal konnten wir überprüfen, wie verständlich unser neuer Ansatz war und wie sich die App im realen Nutzungskontext bewährte.

Protyping
votingLAB Beta Web

App Store Einreichung

Votinglab
VotingLAB Screens

Die Idee hinter votingLAB

votingLAB war eine mobile Feedback-App, mit der Nutzer ihre Erfahrungen mit Orten und Erlebnissen schnell bewerten und mit Freunden teilen konnten.

Das Besondere war der einfache Bewertungsansatz: Statt lange Rezensionen zu schreiben, wählten Nutzer vordefinierte Eigenschaften und Gegensatzpaare wie „laut oder leise“ oder „warm oder kalt“ aus. Zusätzlich konnten sie Fotos hinzufügen und ihre Bewertung innerhalb weniger Sekunden abschließen.

Aus den Bewertungen entstand ein persönliches Ranking mit Empfehlungen aus der eigenen Umgebung. So unterstützte votingLAB beispielsweise bei der Frage, welches Restaurant zum Mittagessen passt, und half dabei, neue Orte zu entdecken.

Unser Ziel war es, Feedback so einfach wie möglich zu machen und gleichzeitig eine schnelle, persönliche Entscheidungshilfe zu bieten.

VotingLAB Screens

Meine 10 Learnings

Während meiner Zeit in den Gründerwerkstätten der TU Berlin und der Beuth Hochschule tauchte ich tief in die Start-up-Welt ein. Ich lernte nicht nur viel über Produktentwicklung und Unternehmertum, sondern auch über Zusammenarbeit, Verantwortung und meine eigene Arbeitsweise.

1. Das Team ist die wichtigste Grundlage
Eine gute Idee allein reicht nicht aus. Klare Rollen, gemeinsame Ziele, transparente Kommunikation und ein fairer Umgang mit Verantwortung sind entscheidend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

2. Finanzen, Vertrieb und Marketing brauchen einen festen Platz
Ein gutes Produkt verkauft sich nicht von allein. Finanzierung, Akquise, Kommunikation und Vermarktung benötigen genauso viel Aufmerksamkeit und Kompetenz wie Design und Entwicklung.

3. Ein klarer Fokus erleichtert die Skalierung
Wir wollten zu Beginn zu viele Anwendungsfälle und Kategorien gleichzeitig abdecken. Ein klar definiertes Problem und ein reduziertes Minimum Viable Product hätten uns geholfen, schneller zu lernen und gezielter weiterzuentwickeln.

4. Technologieentscheidungen haben langfristige Folgen
Bei der Wahl einer Technologie zählen nicht nur die aktuellen Anforderungen. Auch Verfügbarkeit von Fachkräften, Wartbarkeit, Weiterentwicklung und Abhängigkeiten sollten frühzeitig berücksichtigt werden.

5. Engagement braucht nachhaltige Arbeitsweisen
Eine Gründung verlangt viel Einsatz und Verbindlichkeit. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass dauerhafte Überlastung kein Erfolgsmodell ist. Gemeinsame Erwartungen und ein gesunder Umgang mit Energie sind genauso wichtig wie Durchhaltevermögen.

6. Beziehungen öffnen Türen
Durch Networking entstanden unsere ersten Kundenkontakte, Kooperationen, Auftritte und neue Möglichkeiten. Ein verlässliches Netzwerk aus Gründer, Expert und Unterstützer war für votingLAB enorm wertvoll.

7. Auch administrative Prozesse gehören zum Produkt
Ob Förderanträge, Verträge, Markenanmeldung oder die Einreichung in den App Stores: Diese Prozesse benötigen Zeit, Vorbereitung und Verantwortlichkeit und sollten von Anfang an in die Planung einfließen.

8. Ein Geschäftsmodell muss früh validiert werden
Eine gute Nutzungsidee bedeutet noch nicht automatisch, dass Menschen dafür bezahlen. Zahlungsbereitschaft, Zielgruppe und Erlösmodell sollten deshalb genauso früh getestet werden wie Bedienbarkeit und Produktidee.

9. Fehler sind wertvolle Erkenntnisse
Nicht jede Entscheidung führte zum gewünschten Ergebnis. Entscheidend war, Fehler nicht zu verstecken, sondern daraus zu lernen, Annahmen zu hinterfragen und das Produkt bei Bedarf neu auszurichten.

10. Durchhaltevermögen bedeutet auch, neu entscheiden zu können
Dranzubleiben war wichtig – aber ebenso wichtig war die Fähigkeit, loszulassen, den Kurs zu verändern oder einen neuen Weg einzuschlagen. Durchhaltevermögen heißt für mich heute nicht, unbegrenzt weiterzumachen, sondern bewusst Verantwortung für die nächsten Schritte zu übernehmen.

VotingLAB App Store
Franziska GronwaldHerz Emoji

Danke!

An alle mit denen ich zusammen arbeiten durfte!

Meinen beiden Mitgründern Martin Dellbrück und Christopher Walzel, Dr. Sebastian Walter, Anja Briese, HÄRTING Rechtsanwälte, Tilman Süss und der TU Berlin und die Beuth Hochschule für die beiden Stipendien.

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