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Banking-Zukunft mit Studierenden gestaltet
Hintergrund
Immer mehr Menschen verzichten auf den Besuch einer Bankfiliale und neue Banken konkurrieren mit den Etablierten. Doch wie kann das Banking der Zukunft aussehen? Das war die Hauptfrage unserer Kooperation zwischen Designern von Neugelb und Studenten der Hochschule Darmstadt. Die Zukunft des Bankings erfordert innovative Ideen – frisch, anders und ungewöhnlich. Daher wurden die Gestalter von morgen rekrutiert: Studenten.
Die Challenge
Klar, wenn Studenten Praxis-Luft schnuppern wollen, machen sie ein Praktikum.
Aber hat das wirklich was mit realen Projekten, echten Aufgaben und Verantwortung zu tun? Meistens nicht. Zum einen wollten wir Studenten für Finanzthemen begeistern und zum anderen ihnen einen exklusiven Einblick in das tägliche Arbeitsleben in einer Service Design Agentur gewähren und mit ihnen die Bank von Morgen zu gestalten.
Unsere gemeinsame Mission "Fight the Status Quo of Banking"
Die finalen Ideen wurden dem Marketing-Vorstand der Commerzbank präsentiert.
Drei Ideen für eine bessere Banking-Zukunft
🇺🇸 English text version is available on Medium
👉 Link: Medium
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Meine Rolle
Gemeinsam mit einer UI-Designerin hatte ich das Privileg, drei Studenten über mehrere Monate zu betreuen. Meine Verantwortung lag in der Koordination und Durchführung der Work-Sessions sowie in der Anleitung des Teams. Unser Team schaffte es bis zur finalen Präsentation im Commerzbank-Tower.

Ideation Reise nach Porto
Ende März 2019 ging es für fünf Tage mit dem Flieger von Frankfurt nach Porto, um dort mit den Studenten an Banking Ideen der Zukunft zusammenzuarbeiten. Zehn Designer von Neugelb und zehn Studenten der Hochschule Darmstadt.
Die Herausforderung:
Den Studenten das Thema Banking näher bringen und spannende Themenfelder identifizieren.
Das Problem:
Die Studenten waren klassische Sparkassen und Volksbank Kunden. Sie hatten zwar ein Girokonto aber das war es dann auch. Kreditkarte? Nein! Sparen? Nein! Altersvorsorge? Nein! Aktien? Ein Fremdwort. Die meisten von den Studenten interessieren sich herzlich wenig für Banken und deren Produkte.







Unsere Idee: Der Finanzbuddy

Gemeinsame Work-Sessions in Frankfurt
Nach der gemeinsamen Zusammenarbeit in Porto folgten elf Work-Sessions in unserem Büro in Frankfurt wo meine Kollegin Federica (UI Design) und ich die Studenten tageweise unterrichten durften. Ich pendelte den Sommer über alle zwei Wochen für mindestens zwei Tage zum Arbeiten nach Frankfurt, um mit den Studenten im klassischen Design Sprint Format und Design Thinking Prozess an unserem Konzept zu arbeiten. Wir hatten zwei Konzeptansätze: Sparen und Investieren. Aus allen Informationen erstellten wir für beide Ansätze eine Persona und eine User Journey, die uns bei der Konzeption der Software und Hardware halfen die Schnittstellen besser zu verstehen.

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Wir besuchten Bankfilialen, führten Interviews mit Bankberatern, erstellten Umfragen und recherchierten nach Studien und die Studenten hatten auf einmal Interesse an dem Thema Finanzen.
Die Herausforderung:
Das Konzept basierte auf einer Hardware/Software Lösung.
Wir recherchierten nach Artefakten. Was soll das es für eine Hardware sein: Ein Ring? Eine Karte? Ein Armband? Ein Chip? Eine Klebefolie oder aber ein Schlüsselanhänger? Aus welchem Material soll die Hardware sein?
Wie agiert der Mensch mit der Hardware und Software? Wie sind die Schnittstellen und wie bekommen wir die Idee umgesetzt, sprich wie funktioniert die technische Umsetzung?
Von meiner täglichen Konzepter Rolle schlüpfte ich in eine Lead Position. Studenten anleiten, Konzepte ausdenken, recherchieren, analysieren, umsetzen und natürlich planen.
Als Gastdozentin durfte ich einen Vortrag an der Fachhochschule Darmstadt zum Thema User Experience halten. Ich erzählte von meinem Lieblingsbuch „The Design of Everyday Things“ von Donald Norman und weshalb mich seit geraumer Zeit das Thema „Toilettenexperience“ nicht mehr loslässt.
Research & Gastvortrag an der Uni
Im September 2013 präsentierten wir auf der IFA am Forschungsmarkt Berlin-Brandenburg unsere Plattform der Öffentlichkeit. Ein Höhepunkt kurz vor Ende des Stipendium. Die Zukunft war ungewiss.


Gastvortrag an der Hochschule hd_a

Die Zusammenarbeit mit den Studenten
Von Work-Session zu Work-Session wurde es immer einfacher und es machte großen Spaß. Wir teilten die Aufgaben im Team ein und stimmten uns immer wieder ab. Konnten wir keine Entscheidung zusammen treffen, ließen wir durch ein Testing den Nutzer entscheiden, wodurch wir persönliche Konflikte in der Gruppe aus dem Weg gingen. Für die Studenten war dieser Ansatz komplett neu aber sie verstanden schnell die Effizienz der Methode und hatten verinnerlicht, worauf es ankommt. Der Nutzer steht im Mittelpunkt und die eigenen Interessen und Meinungen sind nicht immer die besten. Unser Konzept wurde von Treffen zu Treffen immer runder. Das kollaborative Zusammenspiel der unterschiedlichen Fachrichtungen funktionierte mit viel Disziplin sehr gut.
Wir tauschten uns über WhatsApp und Slack aus, dokumentieren unsere Ergebnisse in Confluence – für die Studenten war das alles neu und ungewohnt.


Ideation
Wir erstellten unzählige Scribbles an den Wänden und am Computer und die Studenten bauten in der Werkstatt erste Hardware Modelle aus Polystyrol, die wir immer wieder testeten. Die Studenten testeten die unterschiedlichsten Materialien. Es wurde am Rechner ein 3-D Modell erstellt welches in der Werkstatt gelasert, geschnitten und geschliffen wurde. Unsere Hardware Smamo war geboren, es entstand eine Design Lampe die in Interaktion mit dem Interface tritt und dem Nutzer sein Sparziel per Licht visualisiert.

Interface
Die App Wireframes wurden zu einem interaktiven InVision Prototypen erarbeitet, der dann auf Herz und Nieren mit Nutzern geprüft wurde. Ziel war es, bei der Abschlusspräsentation die Commerzbank von unserer Lösung zu überzeugen.

Smamo kurz erklärt
Visualisiertes Sparen
Unabhängig vom eigenen Einkommen und der finanziellen Lage findet die Sensibilisierung und der richtige Umgang mit den eigenen Finanzen bei vielen Menschen oftmals zu spät statt. Gerade junge Menschen haben Schwierigkeiten, ihre Finanzen regelmäßig zu kontrollieren, Kontoaktivitäten richtig zu kalkulieren oder aber sich fürs Alter abzusichern. Touchpoints zu den Themen Sparen, Geld anlegen, Investieren oder sich mit dem Konsumverhalten auseinanderzusetzen sind wichtiger denn je, doch wissen viele junge Menschen einfach nicht, wo sie anfangen sollen zu sparen oder aber Geld zu investieren. Die Vorgänge sind meist komplex, sodass es gerade jungen Menschen schwerfällt, einen greifbaren Bezug zu den eigenen Finanzen zu finden.
Die Industriedesigner brachten das nötige Wissen für die physische Experience und wir die digitale Experience mit. Durch die Kooperation entstand durch kollaboratives Arbeiten das Konzept SMAMO, welches gleichermaßen physische und digitale Experience einschließt.
Bei SMAMO geht es um eine Unterstützung bestehend aus Hard- und Software,
die junge Menschen bei ihren alltäglichen Finanzen hilft.



Das Smamo-Objekt an der Wand zeigt mittels Licht den individuellen Sparverlauf an. Wie eine Batteriestandsanzeige füllen sich die Blätter des lampenähnlichen Objekts – ganz subtil und nur für den Nutzer erkennbar.

Kurzfristiges Sparen
Das Konzept teilt sich in zwei Lösungen: Der erste Ansatz ist das „kurzfristiges Sparen“: dabei handelt es sich um simple Unterkonten.
Die Nutzer können in der Commerzbank App einfach und schnell Unterkonten anlegen, um auf persönliche Sparziele hin zu sparen und ihre Finanzen besser zu kontrollieren.
Die App tritt mit einem physischen Objekt in Verbindung, der sogenannte 'Smart Money', kurz: SMAMO genannt, der direkt Einfluss auf das emotionale Erlebnis des Nutzers ausübt. Der Nutzer kann sich sein Sparziel in der App oder aber direkt auf SMAMO anzeigen lassen.
Bei dem physischen Objekt handelt es sich um eine schmale weiße Design Lampe, die ca. 10 cm hoch und 2 cm tief ist. SMAMO kann an die Wand gehangen oder aber auf den Tisch gestellt werden und sollte in keiner Wohnung fehlen. Per Commerzbank App kann sich der Nutzer mit SMAMO verbinden, die Lampe füllt sich mit Licht und zeigt dem Nutzer seinen Sparfortschritt an. Der emotionale Wert, der den Nutzer zum Sparen motiviert, baut eine Brücke zwischen Mensch-Maschine-Interaktion.
Dem Nutzer wird damit die verloren gegangene persönliche Beziehung zu seinen Finanzen wiederhergestellt.
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Langfristiges Sparen
Nachdem die Studenten für das Sparen sensibilisiert waren, wollten wir eine weitere Lösung für die Altersvorsorge integrieren. Auf Basis von Expertenwissen in Form eines Interviews mit einem Bankexperten, Umfragen und Recherchen entschieden wir uns für das Thema Aktien – ein ETF Sparplan, den man einmalig einrichtet und dann einfach liegen lässt. Die junge Zielgruppe hat die Möglichkeit per App in einen nachhaltigen Aktienfonds zu investieren und diesen in der App zu beobachten. Sparrechner und Schieberegler geben dem Nutzer ein Gefühl für Rendite und eine schlanke Auswahl an Optionen erleichtert den Einstieg in das Investitionsthema. Ab 25 € im Monat kann man sich für das Alter absichern.

Smamo im Raum
Das Smamo-Objekt an der Wand zeigt mittels Licht den individuellen Sparverlauf an. Wie eine Batteriestandsanzeige füllen sich die Blätter des lampenähnlichen Objekts – ganz subtil und nur für den Nutzer erkennbar.
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Die finale Präsentation in Frankfurt
Am 11. Juli 2019 war es endlich so weit. Mit dem Fahrstuhl ging es in den 49. Stock des höchsten Gebäudes von Deutschland – den Commerzbank-Tower in Frankfurt. Alle drei finalen Gruppen bekamen jeweils 15 Minuten Zeit, dem Bereichsvorstand der Commerzbank (Ulrich Coenen) von ihren Konzepten zu überzeugen.




Foto, v. l. n. r.: Team SMAMO
Federica Deschino, Sinem Kicirti, Benedikt Schneeberg, Franziska Gronwald und Darleen Mittelstädt
Meine Learnings
Vielseitige Rollen:
- Die Erfahrung zeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen Hardware- und Software-Design neue Perspektiven eröffnet
Agiles Vorgehen:
- Die Betonung liegt auf dem frühzeitigen Testen von Entwürfen, auch wenn sie nicht perfekt sind
Nutzerorientierung:
- Frühes Testen mit Nutzern wird als effektiv angesehen, um irrelevantes Feedback zu vermeiden
Vorbereitung und Nachbereitung:
- Sind entscheidende Aspekte, die oft viel Zeit in Anspruch nehmen
- Regelmäßige Feedback-Runden und Reflexion der eigenen Arbeit sind wichtig, um im Team zu wachsen
Generation Z und Arbeitsweltvorbereitung:
- Projekte dieser Art sind effektiv, um die neue Generation Z auf die Arbeitswelt vorzubereiten
Die Learnings betonen die Bedeutung von Agilität, Nutzerzentrierung und effektiver Teamarbeit in der Gestaltung von Produkten und Dienstleistungen.
In der Presse: PAGE November 2019
Im November wurde ein eDossier zu unserer Zusammenarbeit in der PAGE veröffentlicht in dem die finalen Projekte vorgestellt wurden.
Der Titel » Digital System Design bei Neugelb Studios und der Hochschule Darmstadt «


Danke!
An alle mit denen ich zusammen auf dem Projekt arbeiten durfte!
NEUGELB: Federica Deschino von Neugelb (UI) und den Studenten Darleen Mittelstädt, Sinem Kicirti und Benedikt Schneeberg.
Besonderen Dank: Der Commerzbank, meinem MD Holger Grünwald und Professor Philipp Thesen für die Chance und das Vertrauen.


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