Warum ich Beratung studiere – und wie ich ins Lernen finde

16 Menschen mit unterschiedlichen HintergrĂŒnden und viel Lust aufs Lernen.

Eine Ausbildung in systemischem Coaching wollte ich schon seit Jahren machen. Jetzt studiere ich Beratung und Beratungswissenschaft an der Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin in Kooperation mit artop – neben meiner Vollzeitstelle bei DATEV. Ich freue mich auf neue Perspektiven und merke schon beim Einstieg: Auch wie ich lerne, muss ich erst wieder fĂŒr mich herausfinden.

Unsere Gruppe zum Studienstart im Oktober:
16 Menschen mit unterschiedlichen HintergrĂŒnden und viel Lust aufs Lernen.


Viel Erfahrung – und trotzdem offene Fragen

Seit 2008 arbeite ich als Gestalterin: selbstĂ€ndig, im eigenen Start-up, in Agenturen und grĂ¶ĂŸeren Unternehmen. Ich habe schon viele unterschiedliche Produkte entwickelt und Teams fachlich gefĂŒhrt. Heute arbeite ich als UX-Designerin bei DATEV.

Ich sage oft: Meine Arbeit besteht zu 60 Prozent aus Kommunikation und zu 40 Prozent aus Konzeption. Keine gemessene Verteilung, aber sie beschreibt meinen Alltag ziemlich gut: Fragen klÀren, Erwartungen abstimmen, Entscheidungen begleiten und Konzepte entwickeln.

Mit meinem Hintergrund im Design werde ich hÀufig vor allem als Gestalterin wahrgenommen. Wie viel Beratung darin steckt, ist weniger sichtbar. Dieses Jahr habe ich mich deshalb intensiver gefragt:

Wie möchte ich mich beruflich weiterentwickeln?
Und was möchte ich dafĂŒr noch lernen?



Wieder stÀrker strategisch mitwirken

Ich möchte wieder stĂ€rker an den grĂ¶ĂŸeren ZusammenhĂ€ngen arbeiten. DafĂŒr bleibt die Arbeit im Detail wichtig: Wer strategisch mitgestalten möchte, muss verstehen, was im Produkt und im Alltag der Menschen tatsĂ€chlich passiert.

Als GrĂŒnderin und in meinen frĂŒheren Lead-Rollen haben mich Ă€hnliche Fragen beschĂ€ftigt: Wie gebe ich Orientierung? Wie gehe ich mit unterschiedlichen Erwartungen um? Und wie unterstĂŒtze ich Menschen dabei, eigene Entscheidungen zu treffen?

Seit 2023 begleite ich UX Professionals als Mentorin bei ADPList, etwa bei ihrer Positionierung, RollenklÀrung oder Herausforderungen im Arbeitsalltag. Diese GesprÀche machen mir viel Freude. Das positive Feedback bestÀrkt mich darin, meine Beratungskompetenz zu vertiefen.

Auch meine Community-Arbeit gehört dazu: Ich leite seit MĂ€rz 2025 den Arbeitskreis UX-Strategie der German UPA unserem Berufsverband mit und engagiere mich ehrenamtlich seit ĂŒber drei Jahren bei eclipse, wo ich große Festival Psycare EinsĂ€tze mit plane und durchfĂŒhre. Dort habe ich unter anderem dieses Jahr wieder als Teil der Headorga den Fusion Festival Einsatz mit einem Team von rund 160 Menschen mitorganisiert und vor Ort begleitet.

Dabei wird konkret, was Zusammenarbeit verlangt: unterschiedliche BedĂŒrfnisse berĂŒcksichtigen, Orientierung geben und gemeinsam Verantwortung ĂŒbernehmen.


Vom Coachingwunsch zum Master

Mit meinem Einstieg bei DATEV rĂŒckte mein Coachingwunsch zunĂ€chst wieder nach hinten. Meine DATEV Weiterbildung „Vorhaben und Projekte erfolgreich und wirksam begleiten“ bei Sven FrohmĂŒller, selbst ausgebildeter Coach, gab mir dieses Jahr wieder einen neuen Anstoß.

Über Infoveranstaltungen bei artop entdeckte ich den Master „Beratung und Beratungswissenschaft“. Das berufsbegleitende Studium dauert zwei Jahre. Es verbindet wissenschaftliche Grundlagen mit einer praxisbezogenen Beratungsausbildung. Genau diese Verbindung hat mich angesprochen.

Meine FĂŒhrungskraft hat mich ermutigt, diesen Schritt zu gehen. Das hat mich bestĂ€rkt. Als Vertiefung möchte ich nach aktuellem Stand Systemisches Coaching wĂ€hlen. FĂŒr andere Impulse bleibe ich offen.


Warum noch einmal studieren?

An der GrĂŒndungswerkstatt der TU Berlin und der Beuth Hochschule (heute BHT) hatte ich die Möglichkeit mich intensiv mit den Themen GrĂŒndung und Unternehmertum zu beschĂ€ftigen inkl. Businessplan.
Über die Jahre kamen viele Fortbildungen zu UX Themen, Strategie, FĂŒhrung und Gewaltfreier Kommunikation dazu.

Beim Master reizt mich besonders das wissenschaftliche Arbeiten. Ich möchte meine Erfahrungen mit Forschung und Theorie verbinden und mein Vorgehen besser begrĂŒnden können. Welche Annahmen lassen sich wissenschaftlich stĂŒtzen? Und wo muss ich meine Sicht vielleicht korrigieren?
Gleichzeitig möchte ich mir beruflich weitere Möglichkeiten eröffnen. Welche ich spÀter nutzen werde, ist heute noch offen.

Als ich von meinen StudienplĂ€nen erzĂ€hlt habe, waren die Reaktionen unterschiedlich. Teilweise wurde ich dafĂŒr belĂ€chelt:

Es gebe doch KI – und wer wisse schon, wie sich die Arbeitswelt entwickeln werde.


Ich beschĂ€ftige mich selbst schon lĂ€nger mit KI und habe vor wenigen Monaten mit ihrer UnterstĂŒtzung eine eigene App WirkTakt veröffentlicht. Dabei habe ich erlebt, wie viel sich inzwischen umsetzen lĂ€sst. Fachliche Entscheidungen muss ich trotzdem beurteilen und verantworten können. Das bestĂ€rkt mich darin, meine wissenschaftlichen Grundlagen zu vertiefen.

Und ja, die StudiengebĂŒhren sind hoch. FĂŒr mich ist es eine bewusste Investition in meine Entwicklung und berufliche Zukunft. Der Wunsch hat mich lange genug begleitet. Jetzt wollte ich anfangen.

Mein Studienstart bei artop: zwischen Immatrikulation, neuen Impulsen und den ersten Begegnungen.


Weiterfragen, obwohl ich schon eine Lösung im Kopf habe

Vor dem Studienstart wurde mir das Buch „Prozessberatung fĂŒr die Organisation der Zukunft“ von Edgar H. Schein empfohlen. Beim Lesen habe ich vieles mit meinem Arbeitsalltag verbunden.
Ich berate und setze gleichzeitig um. Wann bin ich als Expertin gefragt? Wann moderiere ich? Und wie gut kann ich einen Prozess begleiten, wenn ich selbst eine bestimmte Lösung vertrete?
In meinen Notizen habe ich festgehalten, dass es mir schwerfallen wird, weiterzufragen, statt direkt in die Lösung zu gehen. Das bin ich schließlich gewohnt. Ich möchte besser erkennen, wann meine VorschlĂ€ge hilfreich sind und wann es sinnvoller wĂ€re, genauer zuzuhören und gemeinsam weiterzudenken.


16 Menschen, viele neue Perspektiven

In unserer Kohorte sind wir aktuell 16 Personen mit ganz unterschiedlichen beruflichen HintergrĂŒnden. Alle haben Lust darauf, und das merkt man. Die ersten Themen haben wir bereits bearbeitet, die erste Lerngruppe ist gestartet.

Bei unserem ersten Treffen am 23.10.2026 haben wir zusammen remote auf einem Miroboard gearbeitet. Dabei ging es zunÀchst darum, unser Lernen zu organisieren:

Wie arbeiten wir zusammen?
Wer bereitet was bis zum nÀchsten Termin vor?
Und wie teilen wir die Aufgaben auf?


Das Lernen in der Gruppe kenne ich bereits und bin ein großer Fan davon. Neu ist fĂŒr mich diese Konstellation: Wir beschĂ€ftigen uns mit denselben fachlichen Inhalten und betrachten sie aus unterschiedlichen beruflichen Perspektiven.
Ich bin gespannt, wie das unsere Diskussionen prĂ€gt und welche Arbeitsweisen sich fĂŒr uns bewĂ€hren.

Unsere erste Lerngruppe am 31.10.2026: Gemeinsam organisieren wir unser Lernen auf dem Miroboard.
Mit dabei: Franzi, Maria, Balthasar und Juan.

‍

Mein erster Lernschritt

Mich nicht in den Möglichkeiten verlieren

Neben dem gemeinsamen Lernen beschÀftigt mich gerade eine ziemlich praktische Frage:

Wie organisiere ich meine Unterlagen und mein Wissen?


Meine Bachelorarbeit habe ich 2010 in Word geschrieben und anschließend in InDesign gestaltet. Seitdem hat sich einiges verĂ€ndert. Als ich angefangen habe, Tools fĂŒrs wissenschaftliche Arbeiten zu recherchieren, war ich erst einmal fasziniert davon, was inzwischen alles möglich ist. Und ziemlich schnell mittendrin.

Mein erster Versuch war, mir mit ChatGPT Work eine Struktur fĂŒr das Studium aufzubauen. Dabei habe ich mich schnell in der Recherche verloren. Ich bin immer tiefer in Themen eingestiegen, deren Relevanz fĂŒr mein Studium noch gar nicht klar war. Dazu kamen Nutzungsgrenzen: Als mein verfĂŒgbares Kontingent aufgebraucht war, musste ich mehrere Stunden warten, bevor ich weiterarbeiten konnte.
Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich hatte viel recherchiert, aber noch nicht die Orientierung, die ich eigentlich gesucht hatte und ich war abhĂ€ngig von einem Tool – das will ich nicht.

Mein erster Strukturierungsversuch in ChatGPT Work: viele mögliche Richtungen, noch wenig Orientierung.


Danach habe ich meine Dateien zunÀchst lokal auf dem Rechner geordnet: Welche Unterlagen habe ich? Was gehört zu welchem Modul? Womit muss ich mich als NÀchstes beschÀftigen?
FĂŒr die Literaturverwaltung habe ich mich relativ schnell fĂŒr Zotero entschieden.

Als neurodivergente Person kenne ich dieses Abtauchen in interessante Themen gut. Ein Gedanke fĂŒhrt zum nĂ€chsten, und irgendwann bin ich weit von meiner ursprĂŒnglichen Frage entfernt. Die vielen Möglichkeiten von KI können das bei mir noch verstĂ€rken. Deshalb brauche ich eine Struktur, in der ich Dinge wiederfinde und erkenne, wann ich fĂŒr den Moment genug recherchiert habe.


KI ausprobieren und das eigene Verstehen im Blick behalten

Aktuell teste ich Gemini Notebook, das viele noch unter dem bisherigen Namen NotebookLM kennen. Mich interessiert vor allem die Arbeit mit ausgewĂ€hlten Quellen: Ich kann Fragen zu meinen Materialien stellen und ĂŒber Quellenverweise zu den zugrunde liegenden Textstellen zurĂŒckgehen.

So möchte ich Gemini Notebook fĂŒrs Lernen nutzen: Fragen an meine ausgewĂ€hlten Materialien stellen, ZusammenhĂ€nge erschließen und Antworten anhand der Originalquellen prĂŒfen.



Das klingt fĂŒr meine Vorarbeit hilfreich. Trotzdem können die Antworten Fehler enthalten. Die Verweise möchte ich deshalb nutzen, um Aussagen im Original und in ihrem Zusammenhang zu prĂŒfen.

FĂŒr den Einstieg konzentriere ich mich auf die vorhandenen Studienmaterialien. Das Tool kann zwar auch zusĂ€tzliche Quellen recherchieren. Ich möchte zunĂ€chst die Inhalte aus den Seminaren erschließen und miteinander verbinden.
Welche Unterlagen ich hochlade, möchte ich bewusst entscheiden. Bei vertraulichen PraxisfĂ€llen oder Interviewmaterial wĂŒrde ich zuerst die Datenschutzbedingungen und die ZulĂ€ssigkeit der Nutzung prĂŒfen. FĂŒr spĂ€tere Studienleistungen möchte ich außerdem vorab klĂ€ren, welche Regeln fĂŒr den Einsatz von KI gelten.

Auch Gemini Notebook hat fĂŒr private Konten ein Nutzungsbudget, dessen Verbrauch vom Rechenaufwand abhĂ€ngt. Laut Google gelten dafĂŒr FĂŒnf-Stunden-Kontingente und eine zusĂ€tzliche Wochengrenze Ă€hnlich wie bei Chat GPT. [1][2]
FĂŒr mich heißt das: Meine Unterlagen, Literatur und eigene Notizen sollen so organisiert sein, dass ich auch ohne verfĂŒgbares KI-Kontingent weiterlernen kann.
Ob mir dieser Ansatz langfristig hilft, werde ich im Alltag merken. Mein Maßstab ist dabei: Kann ich den Inhalt anschließend in eigenen Worten erklĂ€ren, ZusammenhĂ€nge herstellen und offene Fragen benennen? Eine gut formulierte Zusammenfassung allein sagt darĂŒber wenig aus.

Wie ich spĂ€ter meine Masterarbeit organisiere, muss ich heute noch nicht festlegen. Erst einmal möchte ich herausfinden, was beim Lernen fĂŒr mich funktioniert.


Key Takeaways

Das nehme ich bisher mit

  • Überblick vor Toolauswahl: erst Materialien und Aufgaben sortieren, dann passende UnterstĂŒtzung suchen.
  • Eine konkrete Frage pro Lernschritt: damit aus Neugier nicht stĂ€ndig eine neue Recherche wird.
  • Quellen prĂŒfen und selbst erklĂ€ren: daran möchte ich erkennen, was ich verstanden habe.
  • Auch ohne KI weiterarbeiten können: Unterlagen, Literatur und eigene Notizen unabhĂ€ngig vom verfĂŒgbaren Kontingent organisieren.


Neben einer Vollzeitstelle zu studieren, ist eine große Herausforderung. Aber ich habe richtig Lust darauf. Besonders viel Respekt habe ich allerdings vor der Statistikklausur nĂ€chsten Sommer. Das gehört natĂŒrlich auch dazu, wenn man wissenschaftlicher arbeiten möchte. 😉

Wie es mit dem Studium weitergeht, teile ich hier im Blog: mit Erfahrungen, offenen Fragen und dem, was ich fĂŒr meine Arbeit mitnehme.


Studiert ihr ebenfalls berufsbegleitend oder habt Erfahrungen mit KI beim Lernen?
Mich interessiert besonders, welche Arbeitsweise euch hilft, den Überblick zu behalten und Inhalte wirklich zu verstehen. Schreibt mir gerne.

‍

Quellen und weiterfĂŒhrende Links

‍

Stand der Angaben zum Nutzungsbudget: 2. November 2026.
Die konkreten Limits können sich Àndern und hÀngen vom Konto und Tarif ab.

‍

Franzi Detail

Lass uns Perspektiven zusammenbringen. ✌

Du beschÀftigst dich mit neuroinklusiver Zusammenarbeit oder Women in Tech und möchtest dich austauschen?
Du suchst eine Perspektive aus UX und digitaler Produktpraxis?

Ich freue mich ĂŒber deine Nachricht.

Oder schreib mir direkt:
info@franzidesign.de