Mein Recap zum UXcamp Europe 24

Das Motto 2024: SHINE ON YOU CRAZY DOUBLE DIAMOND

Oft werde ich gefragt, welche UX-Events ich empfehlen kann. Eine Empfehlung ist das jährlich stattfindende UXcamp Europe in Berlin. Das Event fand dieses Jahr zum fünfzehnten Mal statt, dauerte zwei Tage und die Tickets sind immer heiß begehrt – man kann sie nicht kaufen, sondern braucht etwas Glück und Schnelligkeit, da sie innerhalb weniger Minuten vergriffen sind. Das Format des Camps ist ein Barcamp, bei dem sich jede Person aktiv einbringen kann. Ich hatte das große Glück, bereits zum dritten Mal in Folge ein Ticket zu ergattern. Das Camp bietet einen breiten Einblick in die heiß diskutierten Themen der UX-Branche und ermöglicht einen globalen Erfahrungsaustausch. Viele bekannte Gesichter teilen dabei ihre Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag. Auch dieses Jahr fand das Barcamp wieder in den Räumlichkeiten der Humboldt-Universität statt.

Am Samstag, den 18. Mai, war es dann soweit. Nach einem kurzen Intro der Veranstalter ging es direkt zur Planung der Sessions über. Jede Person, die Lust hatte, hatte 30 Sekunden Zeit, ihr Thema zu pitchen. Schon während der Pitches versuchte ich, meine Favoriten festzuhalten, um mich dann schnell entscheiden zu können. Design Management und Leadership waren erneut heiße Diskussionsthemen, und natürlich durften KI, Strategie, Innovation, Prozesse, Daten, KPIs, Research, Accessibility, mentale Gesundheit und Nachhaltigkeit nicht fehlen. Insgesamt habe ich an acht unterschiedlichen Sessions teilgenommen.

Ich habe mich fĂĽr folgende Sessions entschieden:

Tag 1 / Samstag

11 Uhr: The UX Drama Triangle
Speaker: Hias Wraba (UX&I)

12 Uhr: Rapid Prototyping in Extended Reality
Speaker: Denny Babenko

14 Uhr: Scaled Agile – Minimized UX?
Speaker: Christian Korff (UX&I)
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15 Uhr: Giving Feedback
Speaker: Katja Paar

16 Uhr: Facilitation 201
Speaker: Steve Upton

17 Uhr: Innovation meets impro!
Speaker: Jakub Rybar

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Tag 2 / Sonntag

11 Uhr: AI walk in the park
Speaker: Christian Korff (UX&I)

12 Uhr: Multibrand Design Systems + Barrierefreiheitsstärunksgesetz
Speaker: Benjamin Lenz, Yello

14 Uhr: Make Business your B*tch!!
Speaker: Aleksandra Lazovice

15 Uhr: Innovation vs. Best practice
Speaker: Eric Reiss
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Meine persönliche Zusammenfassung
4 Talks im Detail

The UX Drama Triangle
Speaker: Hias Wraba (UX&I)

‍Das Dramadreieck (Täter-Opfer-Retter-Dreieck)

‍Das  Drama-Dreieck, ein Modell aus der Transaktionsanalyse von Stephen Karpman, beschreibt ungesunde Interaktionsmuster in Konfliktsituationen, in denen Menschen die Rollen von Verfolger, Retter oder Opfer einnehmen. Hias Wrba erklärte humorvoll, wie diese Dynamik auch im UX-Design vorkommen kann, und betont die Notwendigkeit, sich der eigenen Rolle bewusst zu werden, um destruktive Muster zu durchbrechen. Der Wechsel zu verantwortlichen, unterstützenden und konstruktiven Rollen fördert Eigenverantwortung und gesündere Beziehungen. Systemisches Product Thinking hilft, diese Konzepte in der Produktentwicklung anzuwenden. Coaching und Empowerment sind Schlüsselstrategien, um Konflikte zu reduzieren oder zu vermeiden.

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‍Scaled Agile – Minimized UX?
Speaker: Christian Korff (UX&I)

‍Die Rolle als Designer im SAFe-Framework

Christian Korff diskutiert seine Erfahrungen als UX-Designer im SAFe-Framework (Scaled Agile Framework) und kritisiert, dass UX und Lean Startup darin oft zu kurz kommen. Obwohl UX im Framework integriert ist, beschränkt sich die Rolle häufig auf ausführende Aufgaben wie Wireframes, während wichtige Aspekte wie User Research vernachlässigt werden. Christian schlägt vor, UX-Rollen wie UX Lead und UX Management stärker zu etablieren und betont die Wichtigkeit von Stakeholder-Management und frühzeitiger UX-Integration. Er hebt hervor, dass erfolgreiche UX-Arbeit in crossfunktionalen Teams stattfindet, wo alle Disziplinen Gehör finden. Trotz der Kritik erkennen einige große Unternehmen SAFe als erfolgreich an, doch die Umsetzung in der Praxis bleibt herausfordernd.

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Innovation vs. Best practice
Speaker: Eric Reiss

‍‍Innovation vs. Best Practice: Einblicke von Eric Reiss

‍In seinem Vortrag "Innovation vs. Best Practice" beleuchtete Design-Professor Eric Reiss die Bedeutung und Herausforderungen von Innovation im Gegensatz zu bewährten Methoden. Er erläuterte den Unterschied zwischen Erfindung und Innovation sowie die Rolle von User Experience (UX) und Customer Experience (CX) in der erfolgreichen Umsetzung neuer Ideen. Reiss stellte seine "Laws of Innovation" vor, darunter die Wichtigkeit, dass Innovationen Probleme lösen müssen und oft unbeabsichtigte Konsequenzen haben. Er hob hervor, dass echte Innovationen fundierte Forschung erfordern und häufig die Kombination bekannter Technologien darstellen. Abschließend betonte er, dass wir keine neue digitale Revolution brauchen, sondern alte Fähigkeiten auf neue Weise anwenden sollten.

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Multibrand Design Systems + Barrierefreiheitsstärunksgesetz)
Speaker: Benjamin Lenz, Yello

‍‍Design für alle: Barrierefreiheit und Multibrand-Designsysteme als Zukunftsstrategie

‍Der Vortrag von Benjamin Lenz beleuchtete die Auswirkungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSGV) auf digitale Services und die Notwendigkeit der Barrierefreiheit bis Juni 2025. Er gab Einblicke in das Projekt bei Yello, das den Darkmode einführt und die Anpassung von Farbsystemen an Design Tokens für verschiedene Marken umfasst. Das Gesetz fördert einheitliche Standards, um barrierefreie Produkte und Dienstleistungen zu gewährleisten. Lenz betonte die Bedeutung von Multibrand-Designsystemen für Kosteneffizienz und Zusammenarbeit sowie die Herausforderungen bei der Umsetzung von barrierefreien Designs. Insgesamt hob der Vortrag hervor, wie wichtig es ist, rechtliche Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig die Benutzerfreundlichkeit und Zugänglichkeit zu verbessern.

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Mein Fazit

‍Trotz anfänglicher Überforderung aufgrund der Vielzahl großartiger Beiträge haben sich die zwei Tage wie immer gelohnt. Es war erfreulich, sowohl neue als auch vertraute Gesichter aus der UX-Szene wieder live zu sehen. Ein großes Lob gebührt den Organisatoren für die gelungene Veranstaltung und die Möglichkeit, daran teilzunehmen.

Auch dieses Jahr habe ich neue Impulse für meine tägliche Arbeit mitgenommen. Besonders interessant war, wie oft die Technik während der Sessions nicht funktioniert hat und wie kreativ die Teilnehmer Lösungen gefunden haben. Bei der Präsentation von "Rapid Prototyping in Extended Reality" von Deny Babenko war die kreativste Lösung, als die Übertragung des Prototyps auf Meta Quest nicht funktionierte und jemand aus dem Publikum die Anwendung kurzerhand per Handy abfilmte. Das nenne ich Rapid Prototyping.

Obwohl ich selbst keinen Vortrag gehalten habe, hoffe ich, mit meinem Blogbeitrag einen Beitrag zur Diskussion beizutragen. Als eher introvertierte Person ist ein Barcamp nicht mein bevorzugtes Format. Ich beobachte und analysiere lieber die Themen und teile mein Wissen in Form von Blogbeiträgen oder in Gesprächen. Aber man soll niemals nie sagen. In der Pause habe ich UX-Professional Eric Reiss versprochen, dass ich 2025 selbst einen Vortrag halten werde – mal sehen, ob ich ein Ticket bekomme.

Der Termin für das kommende Jahr steht bereits fest. Das UXcamp Europe wird vom 3. bis 4. Juni 2025 stattfinden. Bis zum nächsten Jahr! #uxce25

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Franzi Detail

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