Das Netz dreht durch wegen Käse

Neue Milram-Käseverpackung löst Shitstorm aus. Was sagt uns dieser Kulturkampf um Käse über Gesellschaft, Vielfalt und Design?
Vielfalt im Kühlregal: Was uns Milrams Design Edition über Gesellschaft lehrt
Die Marke Milram hat ihre Käseverpackungen neu gestaltet. Statt Kühen, Wiesen und Alpenpanorama sind jetzt Menschen zu sehen – vielfältig, bunt, mit unterschiedlicher Hautfarbe. Eigentlich ein sympathisches Zeichen für Gemeinschaft. Doch die Reaktionen im Netz? Ein Sturm aus Hasskommentaren, Boykottaufrufen und der Vorwurf, das Ganze sei „zu woke“.

Mein erster Eindruck: „Warum nicht?“
Als ich die Packung zum ersten Mal gesehen habe, war mein Gedanke: Na gut, warum eigentlich nicht?
Ungewohnt, klar. Aber es ist halt Käse im neuen Look. Mich hat das Design weder begeistert noch abgeschreckt.
Doch als ich die Wucht der Diskussion im Netz gesehen habe, hat es bei mir Klick gemacht. Plötzlich wollte ich die Marke bewusst unterstützen. Denn: Es kann nicht genug Sichtbarkeit für Vielfalt geben.
Was steckt eigentlich hinter der „Design Edition“?
Milram selbst beschreibt die Aktion so:
„Limitiert & Lecker – Von August bis Oktober bringen wir Farbe ins Kühlregal.
Die limitierte Design Edition wurde in exklusiver Kooperation mit jungen Künstler:innen gestaltet.
Sie ist ein echter Hingucker und ein Statement für unseren Markenwert Gemeinschaft.

Konkret heißt das:
- Zehn Käsesorten bekommen von August bis Oktober ein neues, buntes Verpackungsdesign.
- Die Illustrationen stammen von jungen Künstler:innen und stellen Vielfalt und Alltagsszenen dar.
Also kein Marketing-Stunt „gegen irgendwas“ – sondern ein bewusst positives Signal für Vielfalt.
Dass genau das so polarisiert, sagt eigentlich schon alles.

Wenn Käse Kulturkampf wird
Auf Instagram kippte die Diskussion schnell ins Rechte, auf LinkedIn wurde hitzig debattiert. Medien titelten:
„Wegen neuer woker Käseverpackung tobt das Netz“ Artikel Focus
„Ist dieser Käse woke?“ Artikel Frankfurter Allgemeine
Ernsthaft? Woke Käse?
Laut Milram soll das Design „bewusst unpolitisch“ sein und lediglich Vielfalt und Gemeinschaft symbolisieren. Und ehrlich: Wer schreibt eigentlich vor, wie eine Käsepackung auszusehen hat?
Natürlich kann man die Illustrationen mögen oder nicht. Aber das rechtfertigt keine Hetze.
Ein Spiegel unserer Gesellschaft
Dass ein paar bunte Figuren auf einer Verpackung reichen, um Abschiebefantasien und Hasskommentare auszulösen, zeigt, wie aufgeheizt unser Klima ist. Rechte Kreise nutzen inzwischen die banalsten Anlässe, um Kulturkampf zu inszenieren.
Dabei ist die Lösung so einfach: Wer die Verpackung nicht mag, kauft den Käse nicht. Niemand wird gezwungen, im Kühlregal zuzugreifen.
Am Ende ist Käse nur Käse – oder?
Und genau das ist die eigentliche Pointe:
Ein Lebensmittel wird zur Projektionsfläche für gesellschaftliche Ängste und politischen Streit. Dabei ist es am Ende eben nur Käse.
Doch die Kampagne zeigt auch: Design ist nie nur Gestaltung. Es kann Haltung sichtbar machen, Gespräche anstoßen – und manchmal sogar die wunden Punkte einer Gesellschaft freilegen.
Fazit
Ich finde: Milram hat Mut bewiesen. Die Kampagne macht Vielfalt sichtbar – und das ist die Art von Alltagsnormalität, die wir dringend brauchen.
Ob einem das Design gefällt oder nicht, ist zweitrangig. Entscheidend ist: Vielfalt gehört mitten in unser Leben – warum nicht auch ins Kühlregal?
👉 An alle Marken in Deutschland:
Es reicht nicht, Diversität nur im stillen Kämmerlein zu besprechen oder hinter „neutralem“ Storytelling zu verstecken.
Bringt sie sichtbar nach außen – in eure Designs, eure Kampagnen, eure Sprache.
Hass ist kein Feedback, sondern ein Angriff auf unsere Gesellschaft.
Macht sichtbar, was längst Realität ist: eine vielfältige, multikulturelle Gesellschaft.
Wer heute noch glaubt, Diversität im Design sei ein Risiko, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden.
Das eigentliche Risiko ist, zu schweigen.
Design ist immer Haltung. Und Haltung darf heute keine Option mehr sein – sie ist Pflicht.
Und genau aus diesem Grund war es mir wichtig, hier einen Artikel über Käse zu teilen – weil er zeigt, dass selbst ein schlichtes Verpackungsdesign die großen Fragen unserer Gesellschaft sichtbar machen kann.